Isolationsjacken – Daune vs. Synthetikfaser

Die Regale sind voll mit den unterschiedlichsten Typen, Formen, Materialien und Farben von Isolationsjacken. Seit es die reine, ungefütterte Hardshelljacke gibt, wird die Isolationsschicht fürs Zwiebelprinzip extra gekauft. Vom Handel recht clever, kann er so doch doppelt abkassieren. Aber wer blickt im Materialmixjungel durch? Daune, Primaloft, Schurwolle, Hybrid? Was kaufe ich für welchen Zweck und: gibt es die eierlegende Wollmilchsau überhaupt?

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Gleich vorneweg zur Ernüchterung: Nein, die eierlegende Wollmilchsau, also eine Jacke für alle Fälle gibt es nicht. Es wird immer drauf ankommen, was du mit der Jacke vor hast und wo deine Prioritäten liegen.

 

Hier ein kurzer Überblick über die verschiedenen Produkte am Markt:

Daune:

Das wohl älteste Isolationsmaterial seid es Federvieh gibt. Und was die Evolution in Jahrmillionen optimiert hat, ist vom Mensch nur schwer nachzumachen. Daune ist wohl die optimale Wahl, wenn es um das Verhältnis Gewicht zu Wärmeleistung geht. Außerdem finde ich den Tragekomfort und das Körperklima bei Daune einfach klasse. Ein Hauch von nichts und immer gerade so warm wie man es braucht. Als ob die Daune „mitdenken“ würde.

Darüber hinaus lässt sich eine Daunenjacke verdammt gut komprimieren und passt so in jedes Tagesgepäck. Nach dem Komprimieren ist es wichtig, dass deine Daunenjacke wieder schnell aufbauscht um möglichst viel Luft zwischen den einzelnen Federchen einzuschließen. Denn die Federn selbst wärmen nicht. Sie bilden nur eine extrem gute Isolationsschicht indem sie Luft in den Zwischenräumen einschließen. Das Prinzip ist ähnlich wie bei der Thermoskanne.

Thema Aufbauschen, oder auch Loft genannt: Die Bauschkraft von Daunenjacken wird in „cuin“ also Kubikinch gemessen. Wenn du wissen willst wie das genau funktioniert, dann bist du hier richtig.

Je höher die Bauschkraft desto besser die Wärmeleistung. Gute Daunenjacken haben einen Cuin-Wert von >700. Damit kann man schon richtig was anfangen.

Der zweite Wert, den man bei einer Daunenjacke beachten muss, ist das Verhältnis von Daunen zu Federn. Daunen wärmen mehr, sind also für die Wärmeleistung wichtig, Federn stützen aber das empfindliche Gerüst und sorgen dafür, dass sich die Daune besser aufbauschen kann. Ein gutes Verhältnis von Daune zu Federn liegt bei 90/10 oder 95/5.

Nachteil der Daune: Werden die Federchen nass, klumpen sie zusammen und die wärmende Isolationsschicht geht flöten. Verwende daher deine Daunenjacke nie im Regen ohne schützende Hardshell drüber! Auch bei schweißtreibenden Aktivitäten können die Daunen nass werden und verklumpen. Vor allem unter den Achseln oder am Rücken, wenn man einen Rucksack trägt kann das schnell passieren.

In letzter Zeit sind die Hersteller übergegangen, die Daune mit einer wasserabweisenden Imprägnierung zu behandeln. Damit klumpen die Daunen nicht so schnell zusammen und der wärmende Effekt bleibt erhalten. Zur Regenjacke wird die Daunenjacke deshalb trotzdem nicht. Die entsprechenden Jacken sind gekennzeichnet. Zum Beispiel „Daune imprägniert“ oder als Markenname „Dry Down“.

Wenn du sicher gehen willst, dass keine Tiere für deine Daunenjacke leiden mussten, dann bieten verschiedene Hersteller einen Down-Codex an, mit dem die Daune bis zum Produktionsort zurückverfolgt werden kann und die Gänse nicht lebendig gerupft werden. Solche Hersteller sind zum Beispiel Mountain Equipment, Patagonia, Rab.

Für die richtige Pflege deiner Jacke, egal ob Daune, Wolle oder Synthetik, schau mal hier vorbei.

Du willst mit deiner Jacke auch ordentlich Sport machen, Packmaß und Gewicht sind dir nicht ganz so wichtig?

 

Dann ist vielleicht eine Synthetikjacke das Richtige für dich:

 

Synthetikjacken (Es existieren verschiedene Markennamen, z.B. Primaloft) funktionieren nach dem selben Prinzip wie Daunenjacken. In den kleinen Zwischenräumen der Fasern wird die Luft „eingefangen“ und bildet eine Barriere zwischen dir und der kalten Umgebung.

Die Synthetikfasern sind meistens günstiger als ihre Daunenkonkurrenz, haben aber eine etwas geringere Wärmeleistung und ein größeres Packmaß. Wenn du die Jacke aber sowieso zu Sportarten verwendest, bei denen du ins Schwitzen gerätst, wirst du mit Synthetik bestimmt nicht frieren. Das soll auch nicht heißen, dass Synthetikjacken schlecht wärmen. Auch sie machen ihren Job sehr gut, nur wird eine Daunenjacke bei gleicher Wärmeleistung immer etwas leichter und kleiner verpackbar sein. Vorteil der Synthetik: Sie ist unempfindlicher gegenüber Feuchtigkeit und behält ihre Isolationswirkung auch noch im feuchten Zustand, da die Faserstruktur nicht zusammenfällt. Bedenke aber: Feucht ist nicht gleich nass! Ist die Jacke mit Wasser vollgesogen, sind die Zwischenräume mit Wasser gefüllt, was zwar auch eine geringe Wärmeleitfähigkeit besitzt, aber bestimmt nicht im Sinne des Erfinders ist. Außerdem kommt dann noch die Verdunstungskälte hinzu und unangenehm ist es allemal!

Thema Umweltschutz: Synthetikfasern sind aus Plastik, grob gesagt. Dass das mit dem Outdoorgedanken nicht ganz zusammenpasst, haben die Hersteller mittlerweile auch begriffen. Vaude bietet seine Synthetikjacken zum Beispiel aus recycelten PET-Flaschen an. Das schont die Ressourcen und das ist gut so!

 

Hybrid:

 

Hybridjacken, versuchen, Synthetikfasern und Daunen so miteinander zu kombinieren, dass möglichst beide Vorteile genutzt werden. An Stellen, die richtig warm bleiben müssen, wie Brust Ärmel und Bauch, wird Daune verwendet. Unter den Achseln und manchmal auch am Rücken werden Einsätze aus Fleece oder Synthetik eingenäht, die weniger wärmen. Trägt man einen Rucksack bildet sich dort kein Hitzestau. Ziemlich clever!

Achte bei der Pflege aber darauf, dass du auch hier die Jacke mit speziellem Daunenwaschmittel wäschst.

Du findest Naturprodukte gut, dir ist Daune aber doch zu empfindlich?

 

Dann versuch doch mal Schurwolle!

 

Ortovox, Smartwool oder auch R’adys bieten Isojacken mit Füllung aus Schurwolle. Schurwolle ist ebenfalls recht unempfindlich gegen Feuchtigkeit, bietet ein natürliches, angenehmes Tragegefühl und ist so klein verpackbar wie eine Synthetikjacke. Nachteil: Schurwolle schont zwar Ressourcen, aber nicht den Geldbeutel. Im Gegensatz zu Synthetikjacken sind die wärmenden Wollwunder recht hochpreisig.

 

Was hab ich zuhause?

 

Für Schneeschuhtouren oder Eintageswanderungen im Herbst und Winter habe ich eine Ortovox Biz Boe zuhause. Die Jacke hat an den Seiten Stretcheinsätze aus atmungsaktivem Merino-Stretch und ist recht dünn. Auch zum Stadtbummel im Herbst und Winter ist die Jacke völlig ausreichend. Wenn man sich bewegt, bin ich immer wieder erstaunt, wie warm dieses dünne Jäckchen doch gibt. Wenn es anfängt zu Regnen passt sie locker unter die Hardshell.

Für Mehrtageswanderungen, bei denen ich eine Biwakjacke brauche, also eine Jacke für wenig Bewegung wie Sitzen, Kochen, Zelt aufbauen etc. setze ich auf Daune. In Island hatte ich noch eine Jack Wolfskin dabei, die ich mittlerweile meinem Vater vermacht habe. Für den nächsten Trip werde ich mir eine neue anschaffen die genau diese Kriterien erfüllt:

 

  • mindestens 750 cuin

  • 90/10 oder 95/5 Daune/Federn

  • imprägnierte Daune

  • DWR Beschichtung des Oberstoffs

  • Kapuze mit Schild

  • Innen- und Außentaschen

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