Auf Fototour in Abisko – Die Suche nach dem Licht

Am ersten Tag lassen wir es langsam angehen. Akklimatisieren sozusagen. Draussen ist es bitterkalt, auf der Herfahrt zeigte das Thermometer bis zu 29 °C an. Trotzdem ist die Kälte hier anders. Trockener.

Zuhause kriecht einem das feuchtkalte Wetter schon bei 2 °C plus dermaßen in die Glieder, dass man sich nicht lange draussen aufhalten möchte. Wenn man sich hier gut einpackt, dann geht das eigentlich ganz gut.

Die Sonne steht flach am Himmel,

erst vor ein paar Wochen kam sie das erste Mal überhaupt wieder über den Horizont. Das wurde im Ort mit einer Grillparty im Freien gefeiert. Heute ist schon um 15:29 Uhr Sonnenuntergang also packen wir um die Mittagszeit unser Fotoequipment zusammen und ziehen los um die Gegend zu erkunden. Die nähere Umgebung um den Torneträsksee ist etwas wellig und überall mit Birken bestanden. Mit der Höhe werden diese schnell kleiner und schon nach kurzer Zeit sind die höheren Bergflanken der Umgebung nur noch mit keinen Sträuchern und Blaubeeren bewachsen, die jetzt unter dem Schnee verborgen liegen. Die Birkenzweige sind dick mit Reif behangen, der pulvrige Schnee schimmert im licht der untergehenden Sonne. Im Südosten hüllt der pastellfarbene Himmel den markanten Berg Lapporten (Tor zu Lapland) in Rosa- und Blautöne.

 

Lapporten, Lapland

 

Die Farben und die winterliche Stimmung sind unglaublich schön. Die Kälte spüre ich kaum, so beschäftigt bin ich, alles in mir aufzusaugen. Irgendwann geht über den Bergen am See der Mond auf. Es ist Vollmond und der strahlt was das Zeug hält. Wir schlagen Schatten im Schnee als wäre es hellichter Tag. Die Eiskristalle glitzern im kalten Mondlicht, die Szene hat sich komplett verändert. Aus den warmen Pastelltönen ist ein eisiges Blau geworden. Der Himmel ist kristallklar. Nur die Polarlichter wollen nicht so recht mitspielen. Durch den hellen Mond werden sie ohnehin schon geschwächt, aber mehr als ein wenig graugrünes rauschen ist nicht zu sehen. Trotzdem versuchen wir es so gut wie möglich festzuhalten. Für die nächsten Tage ist schlechteres Wetter angesagt und deshalb muss man nehmen was man kriegt. Vielleicht ist das unsere erste und letzte Chance, Aurora Borealis zu fotografieren…

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Meine Füße sind durch die extra mitgebrachten Wärmepads recht warm geblieben, aber irgendwann zehrt dann die Kälte doch an uns und am Kameraakku. Der Monds strahlt so hell und steigt immer höher, dass die Polarlichter kaum zu sehen sind. Ausserdem wollen wir zum Sonnenaufgang schon wieder raus und mittlerweile ist es auch schon spät geworden. Die Nacht wird kurz werden…

Der nächste Morgen

beginnt mit dem Weckerklingeln um kurz vor 6 Uhr. Die Sonne geht zwar erst um 8:26 Uhr auf, doch die blaue Stunde und damit die Möglichkeit auf tolle Farben am Morgenhimmel setzt schon um 7:21 ein und wir müssen auch noch ein ganzen Stück den Berg hinauf.

Noch müde und ruhig stapfen wir los auf einen Aussichtspunkt über Abisko. Genau hier haben die Menschen ein paar Wochen zuvor den ersten Sonnenaufgang nach dem Winter gefeiert. Der Blick reicht ungetrübt nach Nordwesten über den See und zurück nach Südosten auf Lapporten. Meine App sagt mir, dass die Sonne genau im „U“ des Berges aufgehen müsste. Also platziere ich meine zweite Kamera, die „alte“ 7D in diese Richtung und lasse sie Serienbilder schießen. Daraus müsste sich nachher ein ganz nettes Timelapsevideo ergeben.

Zu Beginn ist noch nicht viel los, ganz langsam wechselt das tiefe Blau der Nacht zu einem hellen Lila und Rosa. Die weißen Berge ergeben einen herrlichen Kontrast. Die Bilder sind ruhig, fast wie gemalt.

Dann wird es heller und plötzlich werden die ersten Bergspitzen angestrahlt. Sie leuchten orange in der aufgehenden Sonne. Ich weiß mittlerweile nicht mehr in welche Richtung ich mich wenden soll. Über dem See die Berge, über Lapporten im Südosten kräftige Orange-, Rot- und Blautöne. Wir bleiben bis das schöne Morgenlicht dem Tag gewichen ist und uns auch der Hunger wieder zurück zur ANS treibt.

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Blick vom Aussichtspunkt über den See und auf die Abisko Scientific Research Station (ANS)

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