Mit dem Kanu über die Mecklenburgische Seenplatte II

Die zweite Etappe vom Mirower See bis zum Müritzsee

Die Nacht im Zelt war nur medium erholsam. Der Nachteil an einem 4-Jahreszeitenzelt ist eben, dass die Wettertauglichkeit und Isolationsfähigkeit meist auf Kosten der Belüftung geht. Mit offener Apside und ganz ohne Schlafsack wars zwar in der Nacht gut auszuhalten, aber morgens wurde es eben so schnell warm, dass wir uns ein wenig wie im Backofen durchgegart vorkamen.

Egal: Raus aus dem Zelt, Frühstück ausgebreitet und dann die Rucksäcke für die nächste Etappe gepackt. Apropos Rucksack: Ich hatte die ganze Zeit auf dem Wasser meine teure Spiegelreflex samt Wechselobjektiven dabei und habe deshalb einen wasserdichten Rucksack für den Ausflug mitgenommen.

Wir fuhren mit dem Auto bis nach Mirow, wo unser Kanu schon auf uns wartete. Kurz nach dem Ablegen erwartete uns schon das erste Highlight der Tour: Das “Seerosenparadies” befindet sich zwischen kleinem und großem Kotzower See und um diese Zeit sind die Seerosen in voller Blüte. Die Tour heute gefiel mir sowieso ausgesprochen gut. Es waren nicht so viele große Seen zu überqueren und oft paddelten wir durch engere, kanalartige Bereiche, die mit Seerosen gesäumt und bis ans Ufer mit tollen großen Eichen bestanden waren. Eine richtige, echte Wildnis wie man sie in Deutschland nur noch selten findet. Ganz klar näherten wir uns dem Nationalpark. Bald war das Befahren mit Motorbooten verboten, es wurde ruhiger und die Natur immer wilder. So hatte ich mir das vorgestellt! Ich suchte immer wieder das Ufer und den Himmel nach Vögeln ab, das Fernglas und den Foto immer bereithaltend. Und lange warten musste ich nicht: Über den Bäumen in der Ferne tauchte ein recht großer schwarzer Fleck auf, der immer näher kam. Ein Seeadler flog direkt auf uns zu und kreiste dann noch direkt über uns! Was für ein tolles Erlebnis!

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Einem so majestätischen Vogel in seiner natürlichen Umgebung zu begegnen ist einfach etwas tolles. Ich fotografierte (was garnicht so einfach ist mit einem 400er Tele von einem wackeligen Boot aus) und war völlig gebannt von diesem Augenblick. Dummerweise saß ich auch hinten im Boot und war somit eigentlich fürs Steuern verantwortlich. Basti mühte sich vorne ab, den Kurs zu halten, aber das Kanu ist nur von hinten wirklich gut zu manövrieren. Das war jetzt auf dem See nicht das Problem, aber später, als ich mich mal wieder völlig vergaß und mit dem Foto einem Eisvogel hinterher jagte, trieben wir komplett quer über einen engen Kanal und zwangen ein nachfolgendes Boot so in die Büsche. Basti wars peinlich… und mir irgendwie auch. Aber das Pärchen nahms mit Humor und als wir sie später wieder sahen, fragten sie nur ob die Bilder wenigstens was geworden sind.

Wenn ich nicht gerade mit Fotografieren beschäftigt war, hatten wir mittlerweile das Steuern auch ganz gut raus und so kamen wir richtig gut voran. Schon bald waren wir durch den Leppinsee durch und somit ganz im Nationalpark. Ab hier darf man nur entlang den markierten Bojen fahren und das Anlanden ist verboten. Der Durchstich zwischen Leppinsee und Woterfitzsee ist zuerst nicht so einfach auszumachen, aber irgendwo tauchten immer wieder neue Paddler wie aus dem Nichts aus dem Schilf auf und so steuerten wir einfach genau auf diese Stelle zu. Nach dem Durchstich öffnet sich die Route zum größten See unserer heutigen Strecke. Den Bojen entlang paddelten wir ein Stück auf den See um uns dann einfach auf der Stelle eine Weile treiben zu lassen und die Umgebung zu beobachten. Der Himmel war strahlend blau, nur eine Wolke stand schon fast surreal über der Wasserfläche. Hinter uns jagten Haubentaucher, vor uns stieß ein Fischadler ins Wasser um mit einem fetten Fisch in den Klauen wieder aufzutauchen und wir genossen einfach die Ruhe.

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Irgendwann paddelten wir dann der “alten Fahrt” folgend über den Caarpsee weiter bis zur Boeker Mühle. Ein kleines Hüngerchen trieb uns zum Anlegen am Kiosk bei den Fischteichen und standesgemäß bestellten wir eine Räucherforelle. Wo, wenn nicht hier, sollten wir Fisch essen? Ich bin nicht unbedingt der absolute Fischesser, mich stören einfach die fummeligen Gräten, die meistens dafür sorgen, dass das Essen kalt wird, bevor ich es verputzt habe, aber die Forelle war ausgesprochen gut, irgendwie schaffte ich es sie recht gut zu filettieren und außerdem war sie von Vornherein schon kalt (war gewollt, das gehört so).

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Nach der Stärkung und einem kleinen Schläfchen in der Sonne (mittlerweile hatte ich mich an die Entschleunigung gewöhnt) paddelten wir dann weiter. Ganze 50 Meter. Dort war erstmal Schluss und das Kanu muss über Bootswagen, die bereit stehen, über die Straße in den Bolter Kanal übergesetzt werden. Durch das Schläfchen war es doch schon wieder etwas später geworden und ich überlegte, wie wir eigentlich wieder zurück nach Mirow kommen sollten. Wenn wir dem Bolter Kanal folgen würden bis zum Müritzsee hätten wir zwei Möglichkeiten: 1. Am Feriendorf schauen, ob ich wieder ein Fahrrad leihen kann oder 2. Noch ein ganzen Stück weiter paddeln bis nach Rechlin und dort auf einen Fahrradverleih hoffen.

Wie wir gerade so am überlegen waren, sah ich, wie am Kanuverleih auf der anderen Straßenseite schon die Schotten dicht gemacht wurden. Wenn die hier schon zu machen, wird das mit dem Fahrrad vorne am Müritzsee vermutlich auch nichts mehr, dachte ich. Also quatschte ich den Mitarbeiter an, ob wir hier noch ein Fahrrad bekämen. Solle ich mit dem Chef klären, hieß es.

Der Chef war eine saucoole Socke. Wo wir hin wollten? Nach Mirow? Kein Problem, er fahre in 15 Minuten mit dem Auto da hin, wir könnten mit. Kanu habt ihr auch? Auch kein Problem, er hat den Bootsanhänger dran. Hier der Schlüssel fürs hintere Tor, da steht der Hänger, ihr könnt schonmal aufladen. Sehr geil!

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Kurze Zeit später saßen wir dann bei Sven – so hieß er, der Chef – im Wagen und er fuhr mit uns extra die etwas längere, aber schönere Panoramaroute über die Nebenstraßen zurück nach Mirow. Wir quatschten und lachten und Sven erzählte uns von seinen Flügen mit dem Gyrokopter über die Seenplatte, Begegnungen mit Adlern und Geschichten, die er mit seinen Gästen bei den geführten Kanutouren erlebte. Wir hatten einfach eine richtig gute und sehr kurzweilige Zeit bis zurück nach Mirow.

Manchmal kann man Wochen im Voraus planen, das Optimale ausbaldovern, Karten checken und Bücher wälzen. Aber die tollsten Begegnungen und die Momente die in Erinnerung bleiben sind immer die Spontanen.

Wenn du mehr Fotos sehen möchtest, dann sieh dir mein Album auf Flickr an.

Wie immer: go play outside!

 

Fabian